Die Einteilung nach Bewegungsform: bewegtes und stilles Qigong

Letztlich haben sich hunderte verschiedener Qigong Übungen entwickelt. Es gibt dabei Übungsreihen, die in Bewegung durchgeführt werden. Sie werden als „bewegtes Qigong“ betrachtet. Taiji ist beispielsweise eine bewegte Form des Qigong und zeichnet sich durch seine Nähe zur Kampfkunst aus, wobei die Bewegungsfolgen deutlich komplexer sind als im Qigong. Meiner Meinung nach ist es für einen Anfänger einfacher mit dem bewegten Qigong zu beginnen, da ein sich bewegender Körper dem aktiven Geist ideal als Fixpunkt anbietet. Der Körper erdet den Geist.

Darüber hinaus haben sich eine Vielzahl an Übungen herausgebildet, die nur im Stillen ohne jegliche körperliche Bewegung durchgeführt werden. Dabei wird das Qi durch Konzentration auf bestimmte Körperteile im Körper angesammelt und wieder verteilt. Diese Übungen werden als „stilles Qigong“ bezeichnet. Eine der bekanntesten Übungsformen ist als der „kleine Kreislauf“ bekannt, dessen Übungsform durch Mantak Chia in der westlichen Welt verbreitet wurde.

Alleine durch geführte Konzentration wird das Qi gelenkt und im Körper verteilt…

Körperliche Beschwerden lassen sich durch gezieltes Lenken des Qi auflösen oder mildern. Der gesundheitlichen Einfluss von Qi bzw Qigong auf deinen Körper ist wissenschaftlich erwiesen. Eine genaue Trennung dieser beiden Formen „Stilles und Bewegtes Qigong“ ist meiner Ansicht nach aber nicht wirklich möglich, da sich in beiden Formen etwas bewegt. Einmal erfolgt die Bewegung des Qi aus der Bewegung des Körpers, das andere Mal aus der geistigen Konzentration heraus. Innen und Außen sind eins, wie du bereits im ersten Teil lernen konntest.

Die Einteilung nach dem Wirkungsprinzip: Qi aufnehmen, abgeben und verteilen

Eine weitere Einordnung der Qigong Formen kann auch anhand ihrer Wirkung vorgenommen werden. Die eine Wirkrichtung ist das Aufnehmen, die andere ist das Abgeben und die letzte ist die des Verteilens von Qi im Körper. Besonders die Stehübungen des „Zhang Zhuang“ sind besonders effektiv im Aufnehmen von Energie und kräftigt den gesamten Körper.

„Je nachdem was dir fehlt, ist es zielführend eine entsprechende Übungsform auszuwählen…“

Fehlt es dir an Kraft und Vitalität, sind Stehübungen super um Energie aufzunehmen. Das Üben im Wald oder in der Natur hält eine Menge Qi für dich bereit. Am besten du probierst es selbst mal aus. Warum glaubst du fühlst du dich nach einem Waldspaziergang so erfrischt. Qigong im Wald üben ist eine super Erfahrung! Wie gesagt es geht nichts über Selbsterkenntnis und „hands on“ Erfahrung.

Fehlt es dir eher an Freude, inspirierenden Ideen oder an Drive in die Puschen zu kommen, so sind Übungen zu empfehlen, die dein Qi verteilen oder auch abgeben. Dadurch können z.B. Ungleichgewichte zwischen einem zu aktiven Verstand und den Emotionen sehr gut ausgeglichen werden.

Für Menschen, die voll im Saft stehen und am besten täglich ihr Qi kultivieren, ist es auch möglich ihr Qi auf andere Menschen, Tiere oder auch Pflanzen zu übertragen/abzugeben. Qi kultivieren heißt neben dem täglichen Qigong üben auch sich seiner Gedankenhygiene zu widmen, welche einen extrem großen Einfluss auf die Gesundheit hat. Mit dem ersten Gedanken entsteht alles. Jede Idee, jedes Ding, jedes Wort entstammt aus einem Gedanken. Du bist im jetzigen Augenblick mit deiner Lebenssituation und Charaktereigenschaften das Ergebnis deiner gedachten Vergangenheit. Deine Wahrnehmung, deine Präsenz in jedem Augenblick ist die einzige Möglichkeit, deine destruktiven Gedanken abzufangen wenn sie gerade entstehen…

Qigong ist also mehr als nur eine Übungsreihe zur Beruhigung der Gedanken und Förderung der Gesundheit. Es kann ständig in jeder Minute geübt werden. Es führt zu mehr Präsenz und ermöglicht das Erlernen von neuen Fähigkeiten. Es ist somit super geeignet, um dein Leben in neue Bahnen zu lenken!

Hast du Erfahrung darin gesammelt das Qi zu fühlen, zu lenken und klar bei dir selbst wahrzunehmen, wird sich dir allmählich eine ganz andere Ebene eröffnen. Das intuitive Erspüren der Energie anderer Mitmenschen und ihrer Lebensumstände. Das Üben des nicht Verurteilens führt zu einem tiefen Verständnis für die Umstände und Charakterzüge gegenüber seiner Mitmenschen. Ein für mich extrem spannendes Thema und meiner Meinung nach der Schlüssel zu mehr Frieden auf der Welt. Wenn du etwas verstehst, verlierst du die Angst davor. Hast du keine Angst, dann gibt es keinen Grund mehr dich zu verteidigen oder angreifen zu müssen.

Ich werde in einem anderen Artikel darüber schreiben, wie solche Übungen im Detail aussehen können, sich mit anderen zu verbinden. Letztlich machen wir alle das sowieso schon intuitiv.

Eine kurze Zusammenfassung der positiven Auswirkungen von Qigong:

  • Qigong gibt es in stiller als auch bewegter Form und wurde entwickelt um Unsterblichkeit/Erleuchtung zu erlangen…
  • Qigong hat zum Ziel dir die Verschmelzung mit dem jetzigen Augenblick zu ermöglichen…
  • Qigong erhöht die Lebensenergie im Körper, erdet die Emotionen und bringt Klarheit in deine Gedanken…
  • Qigong kann dir helfen neue Fähigkeiten zu erlernen und deine Ziele zu erreichen
  • Qigong kann genutzt werden um präsenter zu werden und deine Mitmenschen tief zu verstehen
  • Qigong kann dazu führen, dass du mit dir und deinen Leben im Frieden bist…
  • Qigong führt zur Selbsterkenntnis und Weisheit
  • Du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben

Ich hoffe dieser kurze Artikel war interessant für dich. Falls noch etwas unklar geblieben ist, zögere nicht und hinterlasse einen Kommentar!

Foto: Dima Moroz / Shutterstock